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Die dringende Forderung der EZB: KI-gestützte Cyberbedrohungen sind jetzt ein Thema auf Vorstandsebene
Am 7. Juli 2026 wandte sich Claudia Buch, Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der EZB, direkt an die CEOs bedeutender Institute. Sie betonte, dass KI-Modelle das Zeitfenster zwischen der Entdeckung einer Schwachstelle und ihrer potenziellen Ausnutzung erheblich verkürzen. Dabei geht es nicht zwangsläufig um neue Risiken, sondern um eine bislang nicht gekannte Beschleunigung bereits bestehender Bedrohungen.
Die Verantwortung für den Umgang mit diesen beschleunigten Risiken liegt klar bei den Leitungsorganen der Banken. Sie müssen ICT-Investitionen, Ressourcenallokation und Risikotoleranzrahmen umgehend neu bewerten. Offene aufsichtsrechtliche Feststellungen im Bereich ICT und Security werden dabei „zunehmend wesentlich“.
Für Enterprise-IT-Entscheider bedeutet das: Die Lücke zwischen Mainframe und Cloud muss durch durchgängige Transparenz und zentrale Kontrolle geschlossen werden – nicht zuletzt, weil dies zunehmend Teil regulatorischer Anforderungen wird.
Kurzfristige Maßnahmen: Vulnerability Management beschleunigen und Erkennung verbessern
Die EZB fordert kurzfristig einen klaren Fokus auf mehrere zentrale Maßnahmen:
Erstens gilt es, sämtliche potenziellen Angriffsflächen konsequent abzusichern. Dazu zählen unter anderem Drittanbieter-Software, Open-Source-Komponenten, Cloud-Umgebungen und VPN-Verbindungen. Eine kontinuierliche Überwachung sowie die Reduzierung internetexponierter Systeme sind dabei entscheidend.
Zweitens müssen Unternehmen ihr Vulnerability- und Patch-Management skalieren und beschleunigen, um auf höhere Patch-Volumina und kürzere Patch-Zyklen vorbereitet zu sein. Voraussetzung dafür sind ausreichend besetzte ICT-Funktionen und agile Change-Management-Prozesse.
Schließlich ist es entscheidend, Monitoring, Detection und KI-gestützte Abwehrfunktionen über Anwendungen, Access Logs und Netzwerkverkehr hinweg auszubauen.
Die Verantwortung der Leitungsorgane besteht darin sicherzustellen, dass bestehende ICT-Budgets, personelle Ressourcen und eingesetzte Technologien diesen erhöhten Anforderungen gerecht werden.
Strukturelle Maßnahmen: Modernisierung der Infrastruktur und Einführung von Zero Trust
Über kurzfristige Maßnahmen hinaus fordert die EZB strukturelle Veränderungen, um die operative Resilienz und Cyberresilienz nachhaltig zu stärken. Dazu gehören die Stärkung von Defense-in-Depth und eine verbesserte Cyberhygiene durch Segmentierung – einschließlich Micro-Segmentation – sowie die konsequente Umsetzung von Zero-Trust-Prinzipien.
Die kontinuierliche Überprüfung von Nutzern, Geräten und Anwendungen spielt dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig ist die Modernisierung der Infrastruktur entscheidend: Legacy-Technologien, nicht mehr unterstützte Systeme und End-of-Life-Komponenten sollten ersetzt oder aktualisiert werden, um Risiken zu reduzieren. Ist eine Ablösung nicht möglich, müssen zusätzliche Schutzmaßnahmen und Kontrollen für ein angemessenes Sicherheitsniveau sorgen.
Diese strukturellen Veränderungen sind entscheidend, um Mainframe-Umgebungen zukunftssicher aufzustellen und gleichzeitig die Grundlage für eine nachvollziehbare und auditierbare Compliance zu schaffen.
Pro-Tipp
Konzentrieren Sie sich nicht ausschließlich auf externe Bedrohungen. KI kann auch interne Angriffsvektoren beschleunigen. Kontinuierliches Monitoring und Anomalieerkennung in internen Netzwerken und beim Nutzerverhalten – insbesondere bei privilegierten Zugriffen – sollten daher fester Bestandteil Ihres Maßnahmenplans sein.
Governance, Lieferkette und DORA: Die Basis für proaktive Resilienz
Die EZB verknüpft diese neuen Anforderungen ausdrücklich mit dem Digital Operational Resilience Act (DORA). Institute müssen die sich verändernde Bedrohungslage bewerten und bis zum 31. Oktober 2026 umfassende Maßnahmenpläne entwickeln.
Der Plan muss konkrete Maßnahmen definieren,
Ressourcen zuweisen,
klare Verantwortlichkeiten festlegen,
und Zeitpläne für die Umsetzung enthalten.
Die Stärkung von Governance, Finanzierung und Security Awareness ist dabei essenziell. Gleichzeitig bleiben Institute vollständig für Risiken verantwortlich, die aus ausgelagerten ICT-Services entstehen. Eine belastbare Absicherung der Lieferkette ist daher unverzichtbar.
Das bedeutet: Unternehmen müssen verstehen und bewerten können, wie gut ihre Drittanbieter auf schnellere Schwachstellenmeldungen und Patch-Zyklen vorbereitet sind. Nur so lässt sich ein Zero-Trust-Ansatz konsequent über die gesamte Unternehmens- und Lieferkette hinweg umsetzen.
Fazit
Die Warnung der EZB vor KI-gestützten Cyberbedrohungen verdeutlicht einen grundlegenden Wandel im Enterprise-IT-Risikomanagement. Proaktive Maßnahmen – von einem beschleunigten Vulnerability Management über die Modernisierung der Infrastruktur bis hin zu belastbarer Governance – sind für Finanzinstitute keine optionalen Best Practices mehr, sondern zunehmend regulatorische Pflicht.
Wer diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen will, braucht einen ganzheitlichen Ansatz für seine hybride IT-Landschaft, um operative Prozesse zu verbessern und regulatorische Anforderungen zuverlässig zu erfüllen.
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